Seventeen - © Marcel Koehler
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Dr. Birke Sturm über die Serie Seventeen

In dem international angelegten Projekt Seventeen fotografiert Marcel Köhler Jugendliche, die siebzehn Jahre alt sind (+/- 6 Monate). Vor weißem Hintergrund zeigt jedes Bild der seit 2008 stetig wachsenden Serie einen einzelnen jungen Menschen in selbst zusammengestellter Kleidung und selbst gewählter Pose. Die Anweisung, die die Jugendlichen von Marcel Köhler erhalten, bevor sie bei den Fotoaufnahmen erscheinen, richtet sich auf mehrere Teilbereiche ihres Lebens: Sie sind dazu angehalten, ein Outfit zu wählen, in dem sie sich vorstellen können, zunächst zur Schule oder zur Arbeit und im Anschluss noch auf eine Party zu gehen. Deutlich zeigt Marcel Köhler in den Fotografien das spezifische Interesse der jungen Menschen an der Herausbildung eines ganz individuellen Stils, der über Make-up, Kleidung, Frisuren und Accessoires gestaltet wird. Darin zeigt sich, wie nah Individualität und Konformität beieinander liegen: Schließlich wird die Individualität gerade über die Zusammenstellung massenhaft produzierter Waren ausgebildet, die doch eigentlich auf Konformität verweisen. Auch werden über die Kleidung gesellschaftliche Werte transportiert und Rückschlüsse auf das kulturelle Umfeld der Jugendlichen zugelassen, die jeweils nicht als individuell zu verstehen sind. Es zeigt sich somit einerseits der schmale Grat, auf dem sich (nicht nur) Jugendliche auf der Suche nach Identität und einer individuellen Persönlichkeit befinden. Andererseits wird vor Augen geführt, an welchen Stellen es gelingen kann, trotz vorproduzierter Modeartikel und soziokulturell vorgeprägten Handlungs- und Wertungsmustern eigenständig zu agieren. Treffend ist hier der von Claude Lévi-Strauss geprägte Begriff der Bricolage, der in den Cultural Studies schon seit längerem für die Beschreibung und Analyse von jugendkulturellen Stilen verwendet wird. Ein Bricoleur oder eine Bricoleuse verwendet das Vorgefundene auf ganz eigene Art und Weise und nicht unbedingt in seiner je vorgesehenen Zweckhaftigkeit. In Bezug auf das eigene Styling werden also beispielsweise Kleidungsstücke von der Stange unerwartet kombiniert oder verändert und dazu Accessoires selbst gestaltet oder die Haare eigensinnig frisiert. Neben all dem machen Marcel Köhlers Arbeiten insbesondere eines sichtbar: das enorme kreative Potential, das alle abgebildeten Jugendlichen bei der Gestaltung und Inszenierung des eigenen Stils mitbringen und umsetzen.

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Dr. Birke Sturm über die Serie Seventeen

In dem international angelegten Projekt Seventeen fotografiert Marcel Köhler Jugendliche, die siebzehn Jahre alt sind (+/- 6 Monate). Vor weißem Hintergrund zeigt jedes Bild der seit 2008 stetig wachsenden Serie einen einzelnen jungen Menschen in selbst zusammengestellter Kleidung und selbst gewählter Pose. Die Anweisung, die die Jugendlichen von Marcel Köhler erhalten, bevor sie bei den Fotoaufnahmen erscheinen, richtet sich auf mehrere Teilbereiche ihres Lebens: Sie sind dazu angehalten, ein Outfit zu wählen, in dem sie sich vorstellen können, zunächst zur Schule oder zur Arbeit und im Anschluss noch auf eine Party zu gehen. Deutlich zeigt Marcel Köhler in den Fotografien das spezifische Interesse der jungen Menschen an der Herausbildung eines ganz individuellen Stils, der über Make-up, Kleidung, Frisuren und Accessoires gestaltet wird. Darin zeigt sich, wie nah Individualität und Konformität beieinander liegen: Schließlich wird die Individualität gerade über die Zusammenstellung massenhaft produzierter Waren ausgebildet, die doch eigentlich auf Konformität verweisen. Auch werden über die Kleidung gesellschaftliche Werte transportiert und Rückschlüsse auf das kulturelle Umfeld der Jugendlichen zugelassen, die jeweils nicht als individuell zu verstehen sind. Es zeigt sich somit einerseits der schmale Grat, auf dem sich (nicht nur) Jugendliche auf der Suche nach Identität und einer individuellen Persönlichkeit befinden. Andererseits wird vor Augen geführt, an welchen Stellen es gelingen kann, trotz vorproduzierter Modeartikel und soziokulturell vorgeprägten Handlungs- und Wertungsmustern eigenständig zu agieren. Treffend ist hier der von Claude Lévi-Strauss geprägte Begriff der Bricolage, der in den Cultural Studies schon seit längerem für die Beschreibung und Analyse von jugendkulturellen Stilen verwendet wird. Ein Bricoleur oder eine Bricoleuse verwendet das Vorgefundene auf ganz eigene Art und Weise und nicht unbedingt in seiner je vorgesehenen Zweckhaftigkeit. In Bezug auf das eigene Styling werden also beispielsweise Kleidungsstücke von der Stange unerwartet kombiniert oder verändert und dazu Accessoires selbst gestaltet oder die Haare eigensinnig frisiert. Neben all dem machen Marcel Köhlers Arbeiten insbesondere eines sichtbar: das enorme kreative Potential, das alle abgebildeten Jugendlichen bei der Gestaltung und Inszenierung des eigenen Stils mitbringen und umsetzen.